Yule = Winter-Sonnenwende

Am 21. Dezember feiern wir die Wintersonnenwende – es ist dies die längste Nacht des Jahres – und birgt in sich die Hoffnung auf einen Neubeginn

Erklärung der Geschichte © Cesarel, 2008

Das 2. Fest im Jahreskreis ist Jul, das Mittwinterfest. Die Wintersonnenwende ist meistens am 21. Dezember, kann sich aber auch schon mal um einen Tag verschieben. Vor der Kalenderreform war das Datum der Wintersonnenwende übrigens am 24. Dezember.

Dieses Fest ist eines der sogenannten Hochfeste, da hier des wiederkehrenden Lichtes gedacht wird. Für die Menschen der früheren Zeit war es nämlich sehr ungewiß, ob die Sonne wieder an Kraft gewinnen und es erneut Frühling werden würde.

In der Edda findet sich der Hinweis auf das „Ende der Welt“, die Götterdämmerung, die durch drei aufeinanderfolgende Winter, den sogenannten Fimbulwinter, eingeleitet wird. Daher betrachteten die alten Germanen diesen Tag auch mit gemischten Gefühlen. Es ist die Zeit der tiefsten Finsternis, der längsten Nacht. Die Kraft der Natur hat sich in sich zurückgezogen und wartet auf Erneuerung. Scheinbar ist kein Leben mehr in ihr, bis auf die immergrünen Gewächse, die auch deshalb eng mit der Symbolik dieses Festes verknüpft sind.

Der „Atem der Welt“ steht still, und mitten in dieser Ungewißheit findet die große Wende statt, die große Göttin gebiert das Sonnenkind, den Sonnengott in seiner Gestalt als Neugeborenes. Nach diesem entscheidenden Tag werden die Nächte wieder kürzer und die Tage länger, das Licht hat über die Finsternis gesiegt.

Kein Wunder also, daß es der Kirche nicht gelang, dieses wichtige heidnische Fest auszurotten, so daß sie es umdeuten und übernehmen mußte. Aus der Geburt des Sonnengottes durch die Große Mutter wurde die Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria. Auch der Tannenbaum, der die Menschen daran erinnerte, daß die scheinbar tote Natur doch noch lebt, und der grüne Kranz, als Symbol des immerwährenden Kreislaufes der Natur, wurden von der Kirche übernommen und umgedeutet.

Nach dem Fest der Wintersonnenwende folgen die zwölf Rauhnächte, in denen, nach altem Glauben, das wütende Heer oder die wilde Jagd über den Himmel zieht. Je nach Deutung handelt es sich hierbei um den Gott Wotan mit seinen Einherjern oder um die Göttin Frau Holle mit ihrem Gefolge. Fest steht, daß es sich bei diesem Heer um die Seelen von Verstorbenen / Ahnen handelt.

Deshalb stellte man früher auch während dieser Zeit einen Teller mit Nahrung nach draußen, damit sich die Seelen daran stärken konnten, und als Dank dafür erwartete man Hilfe im neuen Jahr. Die zwölf Rauhnächte symbolisieren auch das gesamte Jahr, wobei jede Nacht einem bestimmten Monat und dem entsprechenden Tierkreiszeichen zugeordnet wird.Der Monat Dezember mit dem zugehörigen Sternzeichen Steinbock macht den Anfang.

Der Beginn der Rauhnächte ist übrigens am 25. Dezember, das Ende am 5. Januar. Am 6. Januar wurden die Häuser gereinigt; durch Räucherungen sollten alle Geister des vergangenen Jahres verjagt werden. Danach wurden die Häuser durch magische Zeichen, die man an der Eingangstür anbrachte, geschützt.

In der christlichen Tradition ziehen am 6. Januar Kinder, als die heiligen drei Könige verkleidet ( Caspar oder Kaspar, Melchior und Baltarsar), von Haus zu Haus und versehen auf Wunsch die Eingangstür ebenfalls mit (magischen ?) Zeichen, die das Haus das ganze Jahr vor Unheil schützen sollen, rechts und links von den Zeichen steht dann die Jahreszahl z.B.(20+C+M+B+04).

Vor allem im süddeutschen und alpinen Raum wird am 6. Januar dieses Fest, als das Frest der „Heiligen Drei Könige“ – Kaspar, Melchior und Baltarsar – gefeiert. Deren Namensinsignien K-M-B, sieht man in den Segenssprüchen über mancher Haustür, diese sind identisch mit denen der heiligen drei Frauen Katharina, Margaret und Barbara, die christliche Version der drei Nornen. Die Nornen waren in der germanischen Mythologie die Vollstrecker des Schicksals, Symbol für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

In ihnen lagen Anfang und Ende, Aufblühen und Verblühen, die Grenzen allen Lebens verschlossen, sie existierten von Anbeginn an und standen noch über den Göttern. Die drei Nornen zeigen deutlich den Sinngehalt der Zeit nach Weihnachten, dem Fest der Lichtgeburt. Das Leben pulsiert noch im Verborgenen, die große Göttin Hel – Holla, Berchta, Percht – hütet es in ihrem unterirdischen Reich.

Hier herrschen Dunkles und Helles nebeneinander. Frau Percht erscheint doppelgesichtig, in häßlicher Fratze vorderseits und leuchtend in Sonnengestalt am Hinterkopf. Die Janusköpfigkeit der Erdgöttin – gefahrbringend und segenspendend – symbolisiert exakt den Übergangscharakter der Julzeit. Frau Percht tanzt und dreht sich im Kreis und verlebendigt dabei beide Seiten. Ihre Begleiter sind „schiache“ Perchten, fürchterliche Gestalten, welche die feindlichen Kräfte verkörpern.

Diese Wesen durchgeistern bereits seit Wochen die dunkle Zeit, ob als Kramperl mit dem Nikolaus, im Gefolge des Schimmelreiters oder als „Klöpflesänger“ in Wotans wildem Heer. Nun – am 6. Januar – kommt Frau Percht als Mächtigste dazu. Ihre Licht-Seite bringt Hoffnung und Zuversicht auf die Bändigung und Überwindung des Chaos der Unterwelt – auch in uns. Aus Tod gebiert sich neues Leben.

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